Wie besonders etwas ist, weiß man manchmal erst, wenn es nicht mehr da ist. So ist es auch mit Kulturgütern, die von unserer Vergangenheit erzählen. Um sie zu bewahren wurde im Rahmen der Haagener Konvention ein Schutz besonders wertvoller Kulturgüter vereinbart, die mit einem Schutzzeichen gekennzeichnet werden. In Wölfersheim gibt es drei solcher Kulturgüter, für die der Erste Kreisbeigeordnete und Baudezernent Jan Weckler nun die Schutzzeichen zur Kennzeichnung übergab.

Als international schützenswerte Kulturgüter gelten ab sofort die Evangelische Kirche in Wölfersheim/Berstadt sowie vier archäologische Denkmäler. Es handelt sich hier um den Grabhügel „Haag“ im Ortsteil Melbach, den römischen Signalturm, ein römisches Gräberfeld und einen römischen Gutshof „Villa Rustica“. Zur Feierstunde waren neben den offiziellen Vertretern der Gemeinde auch Grundstückseigentümer und Bürger der einzelnen Ortsteile gekommen

Die Evangelische Kirche in Berstadt wurde im Jahre 1255 erstmalig erwähnt. Auch wenn die Kirche immer wieder renoviert wurde, konnte aufgrund dendrochronologischer Untersuchungen bestätigt werden, dass der Dachstuhl des Langhauses noch aus dem Mittelalter stammt.

In der Denkmaltopografie für den Wetteraukreis heißt es:
„Die Berstädter Kirche ist ein bedeutsames Dokument Wetterauer Kirchen- und Territorialgeschichte. Im äußeren Erscheinungsbild dominiert der Haubenhelm des 17. Jahrhunderts, der im „Jahresbericht der Denkmalpflege 1913 bis 1928“ als „prächtigster aller oberhessischen Helme“ bezeichnet wird.“

Bei den archäologischen Kulturdenkmälern sticht der Melbacher „Haag“ heraus. „Es handelt sich hierbei um einen etwa 12 Meter hohen künstlich aufgeschütteten Erdhügel mit einem Durchmesser von 80 bis 100 Metern, der wohl als eisenzeitlicher Großgrabhügel anzusprechen ist. Als Parallele wäre hier der Grabhügel unterhalb des Glaubergs zu nennen. Auf seiner Spitze stehen die Reste einer kleinen Kapelle“, schreibt Kreisarchäologe Dr. Jörg Lindenthal.

Das zweite Objekt ist der Standort eines römischen Signalturms im Wohnbacher Wald. Er gehört als „Relaisstation“ zur Nachrichtenübermittlung von der äußeren Wetteraulinie des Limes bei Arnsburg zum Grenzschutzsystem Limes und wurde als Teil des Obergermanisch-Raetischen Limes 2005 als UNESCO Welterbe ausgezeichnet.

Der dritte und der vierte Ort gehören zusammen. Es handelt sich hierbei um eine römische „Villa Rustica“ (ein Landgut) und das zugehörige Gräberfeld. Die Villa Rustica „Auf dem Gleichen“ gehört mit ihrem repräsentativen Hauptgebäude zu den eindrucksvollsten Anlagen dieser Art in Hessen.

Von der Anlage wurden bisher nur der Brunnen und das zugehörige Gräberfeld im Rahmen eines Forschungsprojektes ausgegraben. Die Grundrisse des Hauptgebäudes und weitere Baustrukturen der Hofanlage ließen sich eindrucksvoll mit der Methode der Luftbildarchäologie nachweisen (siehe Bild). Die Anlage bestand vom Anfang des zweiten Jahrhunderts n. Chr. bis in die zweite Hälfte des dritten Jahrhunderts n. Chr.

Erster Kreisbeigeordneter Jan Weckler betonte bei der Übergabe der Schutzplaketten, dass die Erhaltung historischen Kulturgutes in der Wetterau eine immerwährende Aufgabe sei, „die wir auch für unsere Nachfahren meistern müssen. Dankbar bin ich vor allem den privaten Besitzern historischer Kulturgüter, die mit eigenen Mitteln solche Bauwerke für die Nachwelt erhalten.“ Dem pflichtete auch die Erste Beigeordnete Carmen Körschner bei: „In Wölfersheim erzählen an verschiedenen Orten Spuren von unserer Vergangenheit. Es ist wichtig diese zu kennen, zu schätzen und für nachfolgende Generationen zu bewahren. Wir können uns glücklich schätzen in Frieden zu leben. Ich sehe diese Schutzzeichen vielmehr als Würdigung unserer lokalen Kulturgüter, die unsere Region bereichern.“ so Körschner.

Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten

Die Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten wurde 1954 mit dem Ziel abgeschlossen, Kulturgut während eines Krieges oder bewaffneten Konfliktes vor Zerstörung oder Beschädigung sowie Diebstahl, Plünderung und anderen Formen einer widerrechtlichen Inbesitznahme zu schützen.

Der Leitgedanke der Konvention besagt unter anderem, „dass jede Schädigung von Kulturgut, gleichgültig welchem Volke es gehört, eine Schädigung des kulturellen Erbes der ganzen Menschheit bedeutet, weil jedes Volk seinen Beitrag zur Kultur der Welt leistet.“ In der Wetterau sind derzeit rund 60 Kulturgüter unter den besonderen Schutz der Haager Konvention gestellt.

Quelle: wetteraukreis.de

« Ausbildung der Gebäudereiniger – Kreis schließt Kooperationsvertrag mit Kerckhoff-Klinik Lumos Kino in Nidda ist zum wichtigen Kulturträger geworden »