Landrat Jan Weckler unterstützt die Bemühungen der Stadt Karben, als Mittelzentrum eingestuft zu werden. Für die Stadt würde das unter anderem eine Verbesserung der Zuschüsse aus dem Kommunalen Finanzausgleich bedeuten.

Karben liegt im westlichen Wetteraukreis am Rande des Bal-lungsgebietes und nimmt eine zentralörtliche Funktion ein, ohne dass diese Funktion bei der Einstufung im „Zentrale-Orte-System“ Berücksichtigung findet. Die Stadt befindet sich an der Verkehrs- und Siedlungsachse der Main-Weser-Bahn (S-Bahnlinie 6) und der Bundesstraße B3.

Die bisherige Einstufung Karbens erfolgte anhand mittlerweile veralteter Daten. Die Stadt versucht bereits seit einigen Jahren die Höherstufung zu erreichen. „Karben wird damit trotz seiner dynamischen Entwicklung und der damit zusammenhängenden steigenden städtischen Aufwendungen im Vergleich zu anderen Kommunen mit der Einstufung zu einem Unterzentrum finanziell benachteiligt. Ich unterstütze die Ausweisung der Stadt Karben als Mittelzentrum nachdrücklich“, so Landrat Weckler. Da derzeit geplant ist, in Hessen die Zentralitätsstrukturen zu überprüfen, habe der Wetteraukreis dies auch in ver-schiedenen Stellungnahmen über den Hessischen Landkreistag verdeutlicht.

Gründe für die Ausweisung Karbens als Mittelzentrum gibt es eine ganze Reihe. Die Kriterien, die das Zentrale-Orte-System des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung auf-stellt, erfüllt Karben schon längst. Das trifft sowohl auf die Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner als auch auf die Bevölkerungsdynamik zu. Weiterhin auf die Arbeitsplatzangebote und das entsprechende Wachstum, die Anschlüsse an den öffentlichen Personennahverkehr (Bus und Bahn) sowie das Angebot an Bildung und Kultur. Hier ist vor allem die größte hessische Musikschule zu nennen, die Karben gemeinsam mit der Stadt Bad Vilbel finanziert. Genauso wie eine zentrale Stadtbibliothek, umfangreiche Sport- und Freizeitmöglichkeiten, zu denen vier eigenen Sporthallen, sieben Sportanlagen und ein erst unlängst grundsaniertes Hallenschwimmbad zählen, das selbstverständlich auch von den Bürgerinnen und Bürgern umliegender Gemeinden mitgenutzt wird. „Vor diesem Hinter-grund ist der Wunsch der Stadt Karben auf Einstufung als Mittelzentrum absolut nachvollziehbar“, bekräftigt Landrat Jan Weckler und wirbt dafür, das bisherige System zu überprüfen.

Auch ein Überdenken der gesamten Kriterien des Zentrale-Orte-Systems, also der Zentralitätsstufen, wird vom Wetterau-kreis in den entsprechenden Stellungnahmen angeregt. „Im Wetteraukreis stehen wir auf Grund der Lage zwischen Bal-lungsraum und Ländlichem Raum und den sehr unterschied-lich strukturierten Mittelzentren Bad Vilbel, Friedberg/Bad Nauheim (mit Teilfunktion Oberzentrum) und Butzbach sowie Nidda und Büdingen vor einer besondere Herausforderung. Einerseits ist eine ortsnahe Versorgung im Bereich des Einzelhandels oder der medizinischen Versorgung im Ländlichen Raum für die Bürgerinnen und Bürger wichtig, auch um einem weiteren Zuzug in Richtung des Ballungsraums entgegenzuwirken. Andererseits muss auch die zentralörtliche Funktion der westlichen Kommunen entsprechend im Zentrale-Orte-System Berücksichtigung finden“, betont Landrat Jan Weckler. Die gesamte Zentrale-Orte-Struktur und Systematik sollte daher grundlegend nach aktuellen raumstrukturellen und nachvollziehbaren Kriterien verändert werden.

Das Zentrale-Orte-System

Das Zentrale-Orte-System ist ein raumplanerisches Konzept zur Entwicklung der Siedlungsstruktur in Deutschland, das auf Daten fußt, die teilweise mehrere Jahrzehnte alt sind. Auf diese jedoch bezieht sich der Landesentwicklungsplan als strategisches Planungsinstrument zur räumlichen Entwicklung des Landes. Das zentralörtliche System ist hierarchisch gegliedert in Grund-, Unter- bzw. Kleinzentren, Mittelzentren und Oberzentren. Der aktuelle Landesentwicklungsplan stammt in großen Teilen aus dem Jahr 2000 und benennt die Ober- und Mittelzentren in Hessen. Die Bedeutung eines Ortes bestimmt sich dabei anhand seiner Infrastruktur im Vergleich zu seiner näheren Umgebung. Zentrale Orte übernehmen neben der Versorgung ihrer Einwohner festgeschriebene Versorgungs- und Entwicklungsfunktionen für die Bevölkerung ihres Ein-zugsbereiches.

Auf der untersten Hierarchiestufe befinden sich die Grundzentren (Unter-, Kleinzentren) mit zugehörigem Nahbereich. Sie werden in den Regionalplänen ausgewiesen und haben unter anderem die Aufgabe, den Grundbedarf der Bevölkerung zu decken und ein Mindestmaß an öffentlicher und privater Infrastruktur anzubieten (zum Beispiel Bildungsgänge der Mittelstufe, Arzt, Apotheke, Handwerksbetriebe).

Mittelzentren sind zentrale Orte zur Deckung des gehobenen periodischen Bedarfs der Bevölkerung im Mittelbereich (zum Beispiel zum Abitur führende Schulen, Krankenhäuser, vielseitige Einkaufsmöglichkeiten). Mittelzentren sind zugleich Arbeitsmarktzentren für ihren Verflechtungsbereich.

Oberzentren decken den höheren spezialisierten Bedarf der Bevölkerung in den Bereichen Kultur und Bildung, Hochschulen, Soziales und Sport, Verkehr und Gerichte ab (zum Beispiel Fachhochschulen, Universitäten, Spezialkliniken).

Quelle: Wetteraukreis

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