Im Frühjahr sieht man sie wieder vermehrt durch die Wetterau ziehen. Nach rund 100 Tagen im Stall ist es endlich soweit und die Schafe mit ihren Lämmern werden vom Schäfer und seinen Hütehunden auf Streuobstwiesen, Magerrasen und in die Auen getrieben. Damit dies auch in Zukunft möglich ist, brauchen die Schäfer Unterstützung.

Die Wintermonate verbringen die Schafe im Stall. Als Nahrungsgrundlage dienen hauptsächlich Heu und eine Kraftfuttermischung aus Raps sowie Weizen. Um die durch die Schafhaltung gewonnenen Nährstoffe im Kreislauf zu halten, wird Stroh als Einstreu genutzt, das anschließend als Mist auf die Äcker gebracht werden kann.

Von Januar bis Ende Mai kommen die Lämmer zur Welt. Alle Lämmer werden durch eine Ohrmarke gekennzeichnet und verbringen die ersten zwei bis drei Tage zusammen mit der Mutter in einer Ablammbox. Hier kommen Mutter und Nachwuchs zur Ruhe und bauen eine Bindung auf. Diese ist wichtig, denn nur so finden sie in einer großen Herde wieder zueinander. Nach und nach werden sie in kleinere Gruppen integriert, bis sie schließlich in der großen Herde mitlaufen. Nachdem die Jungtiere vier bis sechs Wochen gesäugt werden, beginnen sie auch feste Nahrung in Form von Heu zu fressen.

Anfang April, wenn die Tage wieder länger und wärmer werden, verlassen die Schafe den Stall und kommen auf die Weide- und Wiesenflächen. Dort werden sie in einer Koppel gehalten oder – was wesentlich aufwendiger ist – durch den Schäfer und seine Hütehunde gehütet. Dann werden die Tiere meist tagsüber gehütet und nachts, mit Hilfe eines Elektrozauns, eingekoppelt. Das Umzäunen der zum Teil sehr großen und in unwegsamem Gelände liegenden Weideflächen, stellt meist eine große Herausforderung dar und ist mit sehr viel Aufwand verbunden.

Artenvielfalt durch Schafhaltung

„Unabhängig von der Haltung, sind die durch die Landschaft ziehenden Schafe wahre Botschafter der Biodiversität“, sagt Landrat Jan Weckler, der auch Vorsitzender des Öffnet externen Link in neuem FensterNaturschutzfonds Wetterau ist. „Durch die Schafswolle und die Klauen werden Pflanzensamen von einer Fläche auf die nächste getragen und können dort auf den kleinen, offenen Bodenstellen, die durch den Tritt der Schafe geschaffen werden, keimen.“

Neben den Pflanzensamen nutzen auch kleinere Tiere, wie beispielsweise Heuschrecken oder Eidechsen die tierischen Taxis. Die Schafe erzeugen durch ihr Fraßbild unterschiedliche Strukturen, da sie vor allem holzige Pflanzenteile verschmähen. Somit finden auch Insekten, die durch den Dung der Tiere angelockt werden, Deckungsmöglichkeiten. Sowohl die Strukturierung der Landschaft, als auch der Transport von Pflanzensamen und kleineren Tieren erhöht die Artenvielfalt in der Wetterau und erhält stark bedrohte sowie seltene Lebensräume.

Weckler: Mit regionalen Produkten Artenvielfalt stärken

Die wirtschaftliche Lage der Schäfereibetriebe ist schwierig, die Kosten sind hoch und die Erträge niedrig. Gleichzeitig haben die Schafhalter eine hohe Bedeutung bei der Erhaltung wertvoller Naturflächen, wie etwa der Magerrasen, die ohne Schafbeweidung zu verbuschen drohen. Deshalb tritt der Naturschutzfonds Wetterau als Träger des Projektes „Gesamtbetriebliche Biodiversitätsberatung“ auf. Im Rahmen dieses mit Landesmitteln finanzierten Projektes werden Schäfer aus dem Wetteraukreis hinsichtlich der Betriebsstruktur, Flächenpflege, Fördermöglichkeiten und Vermarktung in enger Kooperation mit den Auftragnehmern PlanWerk und GEBAUER Unternehmensberatung beraten.

„Damit die Schäfereibetriebe in der Wetterau auch weiterhin bestehen können, ist eine gesteigerte Wertschöpfung der regional erzeugten Produkte, wie Lammfleisch oder Käse, von enormer Bedeutung. Mit dem Kauf regionaler Produkte können Verbraucherinnen und Verbraucher so die Artenvielfalt in unserer Heimat positiv beeinflussen“, so Landrat Weckler.

Quelle: Wetteraukreis

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