In Oberhessen gibt es nur wenige gut erhaltene Schulhäuser aus der Zeit des 18. Jahrhunderts. Eines von ihnen steht in Ortenberg-Wippenbach. Die Eigentümerin ließ das denkmalgeschützte Haus, das früher als Schule- und Bethaus genutzt wurde, denkmalgerecht sanieren. Vom Wetteraukreis bekam sie dafür einen Zuschuss, den ihr Landrat Jan Weckler überreichte.

Eine 2003 vorgenommene dendrochronologische Untersuchung, bei der man die Datierung eines Gebäudes feststellen kann, ergab, dass der Ursprungsbau frühestens aus dem Jahr 1727 stammt. Die Turmuhr stammt aus dem Jahr 1745 und der Glockenstuhl wurde 1761 gebaut. Über zweihundert Jahre lang, von 1740 bis 1956 fand in dem Gebäude Schulbetrieb statt.

Das damit knapp 300 Jahre alte, mittlerweile ehemalige Schul- und Bethaus steht auf einem hohen Sockel aus Bruchstein, das Fachwerk ist auffällig hochbarock, hat rautenartige Füllungen und noch einige andere Besonderheiten. So findet sich im Fachwerk zum Beispiel ein so genannter „wilder Mann“; eine Schmuckform, bei der die Holzstreben die abstrakte Figur eines Menschen darstellen. Der aufgesetzte polygonale sechsseitige Dachreiter des Gebäudes schließt mit einer „welschen Haube“ ab, eine Bauform, wie sie in der Zeit der Renaissance für den Abschluss von Kirch- und Rathaustürmen genutzt wurde. Bestes Beispiel sind die Türme der Münchener Frauenkirche.

1977 wurde das Kulturdenkmal umfangreich und mit dem damaligen Verständnis von Material und Gestaltung saniert. Für ein historisches Fachwerk ist dieser Zeitraum von 40 Jahren zwar überschaubar, weil aber vorrangig ungeeignete Materialien verwendet wurden, hat die Grundsubstanz stark gelitten.

Der Eigentümerin, Wulfhild Schwietzer, liegt das Denkmal sehr am Herzen und so hat sie es sukzessive über einen längeren Zeitraum saniert und dabei weitgehend regional ansässige Firmen beauftragt. Die Schäden am Fachwerk wurden durch einen Zimmerer behoben, ein Maurermeister mauerte die Gefache, den Raum zwischen den Holzbalken, mit Lehmsteinen neu aus. Zum Abschluss wurde das Fachwerk mit einer Leinölfarbe diffusionsoffen neu angelegt. „Es ist sehr erfreulich, dass bei Bauherren und Handwerkern die Akzeptanz für ökologische Baustoffe, wie Lehm, Kalk oder Silikatfarbe immer mehr zunimmt“, sagt Landrat Jan Weckler. Es sind Materialien die an historischen Fachwerkkonstruktionen ursprünglich schon verbaut waren und sich mit den vorhandenen Materialien oft gut vereinbaren lassen.

„Ich freue mich sehr über die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Unteren Denkmalschutzbehörde“, betonte Landrat Weckler im Gespräch mit Wulfhild Schwietzer. „Der Wetteraukreis möchte zu den denkmalgerechten Sanierungsmaßnahmen an dem außergewöhnlichen historischen Schul- und Bethaus von Wippenbach mit einem Zuschuss in Höhe von 2.000 Euro daher gerne einen symbolischen Beitrag für den Erhalt des Kulturdenkmales leisten.“

Quelle: Wetteraukreis

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